Der Weg der weißen Wolken

Aus Kreuzberg heraus

Ich wohne in Kreuzberg, also ungefähr in der Mitte Berlins. Oft sehne ich mich hinaus aufs Land, wo es öfters Nebel gibt, weil dort größere Feuchtigkeit durch Wald und Wiesen herrscht. Dort würde diese schwer erkennbare Gestalt deutlicher werden, dieses Wesen, das über den Weg der weißen Wolken nachsinnt, hoffte ich. Ich fand nur einen diffusen Nebel.

Eine Mutation

Das Buch „Der Weg der weißen Wolken“ wurde von einem Deutschen geschrieben, der sich in den Himalaya zurückzog und dort zu einem tibetischen Mönch mutierte. Er wurde unter dem Namen Anagarika Govinda bekannt und trug die Ehrenbezeichung Lama. Der stammt aus dem mittelsächsischen Ort Waldheim. Ich hörte, dass er sich bei allen Erscheinungen bedankt. Sein Mantra ist “vielen Dank“, was er praktisch unaufhörlich wiederholt, weil die Erscheinungen dauernd wechseln. Auch unsere Erscheinung verändert sich ständig, auch wenn wir es nicht bemerken. Sekündlich verändern wir uns.

Substanzveränderung

Unsere Substanz verändert sich. Die katholische Kirche hat den Terminus Transsubstantiation geschaffen. Aber der meint etwas total anderes. Er bedeutet…Egal, wir transsubstantiieren uns. Unmerklich, langsam, wir altern. Schließlich sterben wir und werden begraben. Wir werden unsichtbar. Heute habe ich die Transsubstantiationslehre auf meine Brille angewandt, die ins Unsichtbare mutiert war. Nach einer verzweifelten Suche ließ sie sich, für mich ungealtert, doch finden. Vielen Dank, Brille, rief ich erleichtert aus.

Zurück zum Nebel

Aber zurück zum Nebel, der einen leichter atmen lässt. Des Öfteren zeigt er sich morgens im Wald und parliert mit den Bäumen. Er dankt ihnen vermutlich für den Sauerstoff, den diese abgeben und den die Tiere, auch die Menschentiere zum Atmen brauchen. Und dankt auch dem Abendlicht, das seine Körpernebelzellen gerade noch ein wenig erhellt. Jedenfalls sei er vergänglich, sagt er. Er löse sich auf. Heute, nach langer Zeit im Wald, bemerke ich dunkle Stellen im Nebel, er vergeht. Dort fehlt es an Leuchtkraft. Was würde der zum Mönch mutierte Mann im Himalaya tun, würde er sich beim Energiemangel bedanken? Möglich, denke ich, sogar wahrscheinlich. Vielleicht würde er einen Ort aufsuchen, wo er neue Energie, neue Leuchtkraft tanken kann?

Und ich? Was tue ich bei Energiemangel? Gehe ich zu den Quellen frischer Energie? Ab in den Wald!

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