Veranstaltung vom 07.11.2023
Urte: Vor 77 Jahren – Totensonntag 24.11.1946
November find ich einfach toll - schenkt' Frau mir doch das Leben auch wenn es nur ein Zufall war - sie hat es mir gegeben. Spät in einer dunklen Nacht - gebar ein Weib ein Weibchen in warme Tücher eingehüllt - sie hatte noch kein Leibchen. Der graue Morgen wich dem Licht - das Kind es strahlte selig Die frische Luft Erholung bot - die Mutter wurde fröhlich. Was soll die Mähr vom Totentag - ein Kind bringt neues Leben das Kostbarste ist angesagt - es ist von Gott gegeben. Drum feiert den November oft - er bringt mir Lust am Leben Bald kommt das neue Licht hervor - und wird uns Kräfte geben. Was aus dem grauen Nebel kommt - wird Freude bringen allen. Wenn Kerzen erst am Baume glüh'n - beglückt uns zartes Lallen.
Doro November 23
Ein Jahr dahin geschwunden//nur wenig Licht verbleibt die braunen Blätter fliegen// der Frohsinn schmolz dahin mit Kriegen satt und Bomben//und Leben voller Leid Und Gazas Häuser stürzen//ich grüble nach dem Sinn. Aus Wind wurd’ Sturm und Mord//es fallen Blätter leise Der Amsel Lied verklingt//du bist auf einer Reise die demnächst endet //wie alle Reisen enden ohnehin.
Veranstaltung vom 26.09.2023
Diese Schreibwerkstatt befasste sich mit
Stabreim
Beim Stabreim sollten mindestens zwei mal pro Verszeile Worte mit dem gleichen Anlaut beginnen. Viele werden sich noch an ihren Deutschunterricht daran erinnern, als der Stabreim im Unterricht vorkam. Später wurde er vom Endreim abgelöst.
Weiterhin ging es um die Fortschreibung eines Romans von Unica Zürn „Der Mann im Jasmin“ vom dem eine halbe Seite vorgelesen wurde. Die Protagonistin hatte einen Traum:
Urte
Das Haus strahlte eine gepflegte Atmosphäre aus, alles wirkte sauber und hell. Aber warum waren keine Menschen zu sehen, keine Tiere, keine Pflanzen, nichts Lebendiges? Sie musste herausfinden wem das Haus gehört. Als sie auf der Karte ihren eigenen Namen las, erschrak sie! Sie sah ihr Leben vor sich, schön, gepflegt, aber leer
Als sie aufwachte wusste sie – sie will ihr Leben ändern. Sich dem Leben aussetzen und wagen zu lieben, zu erleben ohne alles vorher zu bedenken.
Cordula
… Sie nimmt die Karte und liest, was darauf steht – nämlich: „Such mich – such mich“ und der Abdruck einer Katzenpfote.
Na – diese Worte scheinen ihr keineswegs rätselhaft – seit drei Tagen ist ihre Katze verschwunden, was sie immer mal wieder macht. Aber solange, wie diesmal ist sie noch nie weggeblieben.
Aber wo soll sie suchen, sie kennt sich hier ja nicht aus. In den dunklen Zimmern hier oben ist ihre Minka wohl nicht.Sie steigt also die Treppe wieder runter und entdeckt eine Tür, die in den Garten führt, der im Dämmerlicht liegt. Bäume, Sträucher, Blumenbeete – wo kann die Katze nur sein.Sie ruft :“Minka, Minka“ und noch einmal: „Minka, Minka“ und da kommt ihr Kätzchen angerannt und springt ihr auf den Arm und will gestreichelt werden.
Und das kleine Mädchen wacht aus ihrem Traum auf und findet sich in ihrem Bett und hat ihre Katze im Arm.
Katrin (als Gast)
Zehn Jahre später. Sie steht wieder vor einem Spiegel, diesmal im Badezimmer. Im Spiegel zeigt sich die halb geöffnete Tür. Sie erstarrt. Die Erinnerung an den Traum
sie ist plötzlich wieder da,glasklar:
Das weiße Blatt:
Leer sieht sie es bis auf die Worte: Für dich
Was also ist die Botschaft, was will der Zettel ihr sagen, warum ist er bis auf ihren Namen leer? Sie reißt sich von dem Blick in den Spiegel los und Augenblicke später sitzt sie am Schreibtisch vor einem leeren Blatt und schreibt:
Für mich!
Hier darf ich sein!
Marliese
In meinem Kopf ballen sich Erinnerungen, laufen Filme ab. Bücher liegen aufgeschlagen vor mir. Alice auf ihrer Flucht hinter die Spiegel. Der verrückte Hutmacher grüßt freundlich, von Ferne grinst die Grinsekatze.
Die Kate vom Fischer und seiner Frau liegt in der Sonne. Ich sehe den Butt, der Wünsche erfüllt. Maßlose Wünsche!!! Des Fischers Fru erscheint im Papstgewand und schreit Feuer, Feuer !!! Unter einem taghellen Himmel, erhellt vom Wiederschein der Flammen, gehe ich eine Pappel-Allee hinunter.
Die Pappel-Allee nach Manderley. Ich stehe vor einer Treppe eng und gewunden, einer Wendeltreppe. Ich steige hoch, meinem Mörder entgegen, der dort oben lauert, und plötzlich ist da eine Wand, grau und fugenlos. Ich wache auf, Gottseidank!
Brigitte
Das Mädchen ist 13. Sonntagnachmittag. Stille. Sonnenstrahlen fallen durch die halbgeschlossenen Fensterläden. Das Mädchen lauscht in den Nachmittag. Setzt sich nun auf den Toilettentisch, die kühle Glasplatte. Klappt die Seitenteile des Spiegels zurück. Bewegt die Flügel. Flügel. Sachte mal den, mal den. Sieht sich von der Seite, von hinten.
Es geht immer weiter. Neue Räume. Und immer sie.
Es hört gar nicht auf. Ein langer Gang. Gewunden. Windet er sich?
Sie windet den Weg. Und ist zugleich hier, sie selber, aber doch auch dort, immer weiter weg
Ewigkeit.
Spuren hinterlassen????
Spuren hinterlassen, ist das eine gute Idee? Diese Frage richtet sich an die Bewohnerinnen dieses Hauses. Autobiographie schreiben ist so ein großes und schweres Wort. Spuren hinterlassen fühlt sich ein paar Nummern kleiner an. Ich denke, eine Reihe von uns könnte etwas aus Kindheit und Jugend berichten oder aber vom Älterwerden in dieser Projektgemeinschaft.
Denn ein Projekt sind wir ja. Das Wohnprojekt Beginenhof. Jene, die später hier einziehen werden, dürften ganz andere Dinge erleben, als diejenigen, die heute zu den Bewohnerinnen zählen von denen etliche den 2. Weltkrieg oder die frühe Nachkriegszeit in ihrer Kindheit erlebten. Wäre es nicht sinnvoll ihnen z. B. mitzuteilen, warum wir hier eingezogen sind, was wir uns erhofft haben und wer wir sind? Z. B. an Hand kleiner Texte und Gedichte. Im Schreiben von Elfchen, die aus elf Wörtern bestehen un anderen einfach zu handhabenden Modellen. Schreiben kann jede. Jede von uns hat es jahrelang gelernt. Etwas anderes wird nicht benötigt.
Diese Erlebnisse könnten wir sammeln und in meiner Webseite doro-mezger.net auf der Seite schreibcafe einfügen. Ab und zu würden wir eine Leserunde im Salon veranstalten, vorlesen und wertschätzen, was wir verfasst haben. So wird die Schreibwerkstatt reanimiert. Wenn genug Stoff zusammengekommen sein sollte, könnten wir die Ergebnisse auch ausdrucken und zusammenbinden in ein Heft oder Büchlein produzieren. Alles ist möglich.
Gabriele
Schreibwerkstatt 16.5. 2023
Pilgerweg

Liebe Tochter,
das ist dein neuer Weg, du gehst ihn aufrecht und zuversichtlich. Ein rotes Kopftuch schützt dich vor Hitze und Wind. Im Beutel in deiner Hand trägst du sicher deinen Fotoapparat und eine Sonnenbrille, im Rucksack eine Flasche Wasser und ausreichend Proviant.
Der Weg ist steinig und rechts davon geht es steil abwärts, ein Baum, grün und kräftig, stabilisiert den Abhang. Links türmen sich Felsen, der Weg führt dich um sie herum. Du gehst auf eine Nebelwand zu, die langsam von Sonne und blauem Himmel verdrängt wird. Du kannst nicht sehen, wohin der Weg führt, aber du gehst diesen Weg volle Zuversicht, das zeigt deine aufrechte Haltung und deine voranschreitende Bewegung. Es geht voran und bergauf.
Urte
Als das Modell Großfamilie nicht klappte, suchte ich eine neue Gemeinschaft. Da las oder hörte ich von diesem Gemeinschaftsprojekt für Frauen. Es scheint mir optimal.
Frauen mit denen ich mich vertraut machen musste. Wir haben ähnliche Ideen von Gemeinschaft, aber das heißt noch lange nicht, dass es einfach ist. Wir haben die Chance voneinander zu profitieren, Anregungen zu bekommen, Gemeinschaftsaktionen zu planen und zu gestalten, zu lernen was uns bis dahin noch nicht bekannt war. Das dieser Weg nicht nur leicht ist, habe ich im Laufe der Jahre auch erlebt, aber das gehört dazu.
Es ist trotzdem mein Weg – gepflastert mit Wünschen, Hoffnungen, viel Freude und eben auch einigen Schlaglöchern. Aber einen optimalen Weg – wer sollte uns den pflastern?
Cordula
Ich sehe einen Menschen von hinten auf einem Wanderweg, der aufwärts führt, durch eine felsige, von verschiedenfarbigen Posterstauden belebte Landschaft. An einem niedrigen Baum entlang scheint der Weg in den blauen und türkisfarbenen Himmel zu führen. Wolkenfetzen lassen den Himmel nah und fern zugleich erscheinen. Wohin führt der Weg dieses Menschen – wer weiß?
Meine Phantasie lässt mich vermuten, dass der abgebildete Mensch an einem Punkt ihres/seines Lebens steht, wo Entwicklungen z.B. beruflicher Art abgeschlossen sind und sich Veränderungen aufdrängen. Ebenso kann ein Orts- Wohnungswechsel anstehen.
Um diese Gedanken und Gefühle auf sich wirken zu lassen, macht sie sich auf den Weg – auf einen langen Weg. Denn um langjährige Gewohnheiten und Denkmuster zu ändern, das fragt nach Zeit, Geduld und Zuversicht.
Doro
Heute fällt mir das Reisen schwerer als früher. Kleine Reisen sind möglich, immerhin. Aber pilgern klingt beschwerlich. Auf meinem Pilgerweg scheint es immer nur bergauf zu gehen, wie im Bild gezeigt. Früher war alles besser, denk ich und ich fitter. Deshalb muss ich mich heute öfters ausruhen als früher.
An verschiedenen Pilgerorten war ich schon. Z. B. In Santiago de Compostela. Damals war ich 25 und frisch verheiratet. Die Kirche dort gleicht eher einer Festung. Die Reyes Católicos brauchten viele Festungen gegen die Mauren bei ihrer Reconquista. Sie ist, wie der Name sagt, dem hl. Jakobus gewidment. Die Spanier wissen das an Hand seines Namens sofort. Uns muss man erklären, dass Santiago Jakobus bedeutet. Ein Zertifikat wurde mir nicht ausgehändigt, wie diesen erfolgreichen Pilgerinnen, die sich heute auf den Weg machen. Aber zu meiner Zeit war das nicht In.
An Gnaden- oder Pilgerorten, die ich sonst noch besucht habe, wären zu nennen: Altötting in Niederbayern, wo der einer der CSU Granden ein großes Wirthaus hat. Es kommen viele Wallfahrer nach Altötting und die wählen immer die CSU. Und sie haben Durst. Da lohnt es sich, das größte Wirtshaus am Platze zu besitzen. Ich glaube der Wirt ist der Huber Hans.
Balanceakt

Gabriele
Mein Leben, jetzt stehe ich schon 83 Jahre in diesem Leben, war häufig ein Balanceakt. Balancehalten zwischen den Geschwistern, ich war die mittlere von 5 Geschwistern. Balancehalten auf dem Fahrrad, das Fahradfahren habe ich früh gelernt, denn ich hatte einen weiten Schulweg.
Balanceakt in der Klassengemeinschaft mit dem Drang zu vermitteln. Das machte mich sehr schnell zur Klassen-und Schulsprecherin. Das machte mich selbstbewußt, denn auf meine Noten konnte ich nicht besonders stolz sein.
Balancehalten in unserer kleinen Familie, vermitteln zwischen Vater und Tochter, zwischen Vater und den Söhnen, vermitteln zwischen Anspruch und Wirklichkeit von Beruf und Familie. Und jetzt habe ich meine Balance gefunden in dem Haus, in dem ich jetzt mit vielen Frauen wohne und lebe- das ist gut.
Urte
Ja, das ist ein Lernziel: Wie halte ich Balance im Kontakt mit den Frauen. Vieles muss ich lernen auszuhalten: Ansichten die ich nicht mag, Gewohnheiten die ich grässlich finde, Versorgermentalitäten die mich ärgern.
Ansprüche an die Gemeinschaft – und die der Gemeinschaft an mich, Balance halten, nur das zu tun was ich gerne – auch für andere – mache. Erwartungen widerstehen, die ich nicht erfüllen mag. Balance zwischen Nähe und Distanz, auch zwischen Zuversicht und Resignation.
Ich übe immer noch.

